Traditionsverein Mühlhäuser Heimatfeste e.V.


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01. 09. 2008 Petrus ist ein Kirmesfreund

Pressespiegel > Presse 2008

Petrus ist ein Kirmesfreund

Pünktlich um 11 Uhr setzte sich gestern der große Festumzug zur 131. Mühlhäuser Kirmes in Bewegung. An der Spitze, gleich hinter der Stadtgarde, das Festkomitee und ein gut gelaunter Oberbürgermeister. Sah er es sich doch mit einem Blinzeln in die strahlende Sonne in seinem Argument vom Vortag auf der Musikschau bestätigt: Petrus ist ein Kirmesfreund.
Rund 40 000 säumten den Weg des Zugs durch die Innenstadt mit seinen 51 Bildern, an denen die 30 Kirmesgemeinden der Stadt maßgeblich beteiligt waren. Tolle Stimmung überall und so manches Späßchen und so manche Bemerkung am Rande zu dem einen oder anderen Umzugsbild. Bemerkenswert: Es wurde mehr als sonst bei gelungenen Präsentationen geklatscht.

Etwa, als der Kirmesverein aus dem 1111-jährigen Ortsteil Görmar in seinem Bild fragte: Den Schwanenteich sanieren oder nach Bad Langensalza geben? Als Kirmesmuffel in Sträflingskleidung zeigte sich die Mittelstraße. Die jungen Polizistinnen in kurzer Hose - das hatte was. Die Gartenstraße hofft auf ein Märchen: "Wir haben kein Kirmesgeld!" Die in Nachthemden verkleideten "Alten Weiber" indes versprachen: "Wir machen nicht nur Musik in Mühlhausens Betten." Das kam besonders bei den Moderatoren hoch oben am Obermarkt gut an - Heiko Scholz und Ronny Ludwig.

Aber auch an einstige Traditionen wurde angeknüpft. So hatte sich die 125-jährige Zinkengasse als "Cirkus" präsentiert, mit dabei die "stärkste Frau" der Stadt. Thomas Köhler war heilfroh, dass er sich am Untermarkt mit Lutz Werner weit oben im Moderatorennest verstecken konnte. Auch die Obere Grünstraße machte es traditionell: "Wir feiern 120 Jahre auf der Straße." Tatsächlich lädt die Kirmesgemeinde wie früher dorthin ein.

Mutig die Arndt-/Professor-Berger-Straße, die in die Planungshoheit der Stadt eingriff. Mit Spielcasino und Safaripark etwa wollen sie die Touristenhochburg Mühlhausen erschaffen. Dazu wurden Super-Magneten geschmiedet, um Gäste anzuziehen. Die Kirmesgemeinde "Weg zum Eigenheim" ließ 60 Häuser im Zug mitziehen, mit denen sie die Bürger aufforderte, sich noch mehr mit ihrer lebenswerten Stadt zu identifizieren. Ihr Motto: Wir sind Mühlhausen. Kritik dagegen kam von den "Weißen Mäuse" mit "Eisbaden am Schwanenteich", der Feld-/Sondershäuser Straße mit "Erlebnispark Rieseninger" und von der Unteren Rosenstraße mit "Was ist nur aus unserer Freilichtbühne geworden?".

Wer sagt´s denn: Auch der Orient feiert Kirmes. Das jedenfalls meinte die Gemeinde Untermarkt/Webergasse. International auch in der Kräuterstraße. Der Ölkrise begegnete sie mit einem Neuerervorschlag: "Pupsgas ist der Hit, denn zu teuer ist der Sprit." Am Kruchenplan hieß es: Die Chinesen kommen und kaufen im Jahr des Drachen den Stadtwald. Apropos Drachen: Die Kirmesgemeinde "Vogteier Platz" rühmte sich, einst den "Drachen von Schloss Wippchen" besiegt zu haben und belegte das mit einer aufwendigen Inszenierung. Und wenn ganz Deutschland im TV kocht, dann kocht auch das Studio Schaffentorstraße.

Eine Sahnetorte angeschnitten hatte die Arbeiterwohlfahrt - sie feierte im Umzug 80. Geburtstag. Ebenso 80 wurde Ammerbrücke und verkündete ein maritimes Programm. Den 60. beging "Gemütlichkeit/Frohsinn" im Engelskleid und meinte: "Wir sind nicht teuflisch gut, aber himmlisch vergnügt." Die Zöllnergasse hatte zu ihrem 125. Geburtstag etwas Besonderes auf Lager: "Wir lassen die Puppen tanzen im Moulin Rouge." Die Puppen - wow!

Blumenkinder ließ sodann die Sachsensiedlung aufmarschieren: "Flower Power" - eine Blumenpracht. Süße Erdbeeren und die letzten deutschen Erntehelfer brachten die Forstbergfrüchtchen vom Aktivistenring I/II mit. Die alten Zeiten, als Märchen noch in waren, sind vorbei, bedauerte die Mönchgasse. Die Obere Thälmannstraße erinnerte mit ihrem gelungenen Bild an das Kaisermanöver 1891, und "St. Jakobi" verwies auf "Vorschriften, die unsere Stadtkirmes nicht braucht". Schließlich zeigte die Obere Weinbergstraße/Graßhofstraße in bewegten Bilder sechs Streiche vom Wilhelm Buschs Max und Moritz und "Rimbach" das Brunnenfest im Wandel der Zeiten. Originell die Gemeinde "Kirmesbahn": Sie fuhr im 110. Jahr der Straßenbahn eine nachgebaute Bahn von 1898 auf.

Die "gelungenen Umzugsbilder" kürte das Festkomitee im Anschluss: Vogteier Platz, Weg zum Eigenheim, Obere Thälmannstraße, Obere Weinberg-/Graßhofstraße und Kirmesbahn.

Wie Polizeichef Reimund Hentschel einschätzte, gab es weder beim Umzug noch in den Kirmesgemeinden Probleme. Lediglich im Bereich des Festplatzes und Steinwegs musste 6-mal wegen Körperverletzung ermittelt werden.

Thüringer Allgemeine Mühlhausen vom 01. 09. 2008 von Jürgen WAND





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