Traditionsverein Mühlhäuser Heimatfeste e.V.


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16. 05. 2009 Das Gesicht der Kirmes

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Das Gesicht der Kirmes

Bekannte Mühlhäuser Persönlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart" - so heißt eine Veranstaltungsreihe des Mühlhäuser Kulturbundes. Mit Teil 5 ehrte man Kirmesoberbürgermeister Günter Würfel, der seit Jahrzehnten die Mühlhäuser Kirmes prägt und kürzlich seinen 75. Geburtstag feierte.

Mit einem Rückblick auf Günter Würfels Lebenswerk würdigte ihn kein Geringerer als der Oberbürgermeister der Stadt, Hans-Dieter Dörbaum (pl). Seine Identität erhält Mühlhausen auch durch seine Heimatfeste, sagte er, allen voran die Mühlhäuser Kirmes. "Deren Gesicht ist Günter Würfel", zitierte er einen Bürger der Partnerstadt Münster. Der geborene Mühlhäuser sei in der Kirmesgemeinde Zöllnersgasse mit der Kirmes groß geworden. Deren Bürgermeister war sein Vater gewesen. So seien die Traditionen auf den Sohn übergegangen. Günter Würfel habe zunächst im Lok-Spielmannszug, dem späteren Spielmannszug der Stadt Mühlhausen, mitgewirkt, deren Leitung bald von seinem Bruder auf ihn übertragen wurde.Mit dem Lok-Spielmannszug kam Würfel landesweit zu hohen Ehren. Das brachte ihm den Vorsitz des Kreisfachausschusses der Spielmannszüge ein. Sein organisatorisches Talent, seine Beharrlichkeit und Zuverlässigkeit überzeugten schließlich. Er wurde zum Vorsitzenden des Festkomitees der Mühlhäuser Heimatfeste gewählt. Den habe er nun seit 1972 inne, so der OB. Das sei eine Besonderheit innerhalb der Strukturen der sozialistischen DDR gewesen. Würfel wusste damals manche ideologische Klippe geschickt zu umschiffen. Ohne sein Durchsetzungsvermögen wäre in den 1970er Jahren die Kirmes wahrscheinlich in "Fest der Lebensfreude" umbenannt worden. Als es 1990 zum Zusammenschluss der Mühlhäuser Kirmesgemeinden zum Traditionsverein Mühlhausen kam, wurde er auch zu dessen 1. Vorsitzenden gewählt. Ihm sei es gelungen, den Charakter der Kirmes als Straßen- und Nachbarschaftsfest zu wahren und den Kommerz herauszuhalten. Würfel habe aber auch dazu beigetragen, dass sich die Städtepartnerschaften lebendig und schwunghaft gestalteten, so der Oberbürgermeister. Die Stadt wusste ihm seine langjährige ehrenamtliche Arbeit zu danken. 1999 erhielt er die erste Ehrenmedaille der Stadt Mühlhausen überreicht, seit 2004 ist er ihr Ehrenbürger. In der anschließenden Aussprache wurde an manch Vergangenes erinnert und manche Kritik geäußert. Die Kirmestraditionen werden von den Gemeinden nicht mehr so gepflegt wie früher. Viele sängen keine Kirmeslieder mehr. Dagegen biete die CD mit Kirmesliedern zum Mitsingen, herausgegeben vom Kulturbund, Abhilfe, erinnerte dessen Vorsitzender, Jürgen Thormann. Auch der Kirmesbaum stünde bei vielen nicht mehr zentral, bemängelte Würfel. Und daneben stand oft eine Kletterstange für die Kinder. Das sei heute nicht mehr so.Zum Schluss plauderte Würfel noch ein wenig aus dem Nähkästchen. 1975 sollte die Kirmes alkoholfrei werden. Die Kirmesgemeinden wussten dies jedoch findig zu umgehen. Das Verbot ließ sich nicht durchsetzen. Zu DDR-Zeiten musste vieles organisiert werden. Da schaute man auch auf den Beruf, wenn jemand in die Gemeinde aufgenommen werden wollte. Grillkohle gab es nur ein bis zwei Sack pro Gemeinde. Die wurde bei ihm abgeladen und musste von den Kirmesgemeinden abgeholt werden. Die brachten immer auch "ein Fläschchen" mit, um bei ihm ein bisschen mehr Kohle auszuhandeln, sagte er mit einem Augenzwinkern.

Quelle: Thüringer Allgemeine Mühlhausen vom 16. Mai von Michael FIEGLE


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