Traditionsverein Mühlhäuser Heimatfeste e.V.


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17. 01. 2009 Empfang 75. Geburtstag Günter Würfel

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Rede des Oberbürgermeisters Hans Dieter Dörbaum anlässlich des Empfangs zum 75. Geburtstag des Ehenbürgers und Kirmesoberbürgermeister Günter Würfel in der Rathaushalle am 17. Januar 2009


Bilder vom Empfang zum 75. Geburtstags Günter Würfel unter Foto Mühlhausen



Sehr geehrter, lieber Günter Würfel,
sehr geehrte Damen und Herren,

man möchte es nicht glauben, aber Du, lieber Günter, bist nun tatsächlich schon 75 Jahre auf dieser Welt, was zugleich heißt, 75 Jahre in Deinem geliebten Mühlhausen. Über Deine Kindheit und Jugend kann ich leider nicht viel berichten – wahrscheinlich hast Du damals schon Mühlhausen unsicher gemacht, wie Du es bis heute vornehmlich Ende August oder Anfang September tust.
Städte sind bekanntlich eine der ältesten und eine der erfolgreichsten Organisationsformen der menschlichen Gesellschaft. Sie haben ihre eigene Identität. Diese Identität wird nicht nur durch ihre Bauten geprägt, sondern auch durch Feste und Rituale, die das Zusammenleben ihrer Bewohner bestimmen und wichtiger Bestandteil jenes Gemeinschaftsgefühls sind, ohne das das Zusammenleben so vieler Menschen an einem Ort nicht funktioniert.
Was wäre wohl Köln ohne den Kölner Karneval, was München ohne sein Oktoberfest? – Und mit unserer Stadt Mühlhausen verhält es sich nicht anders. Mühlhausen – das ist nicht nur die Marienkirche, deren Turm schon von weitem den Anblick unserer Stadt bestimmt, das ist nicht nur der Steinweg, die Stadtmauer oder die Popperöder Quelle, Mühlhausen, das ist auch und gerade für die Mühlhäuser - die Kirmes.
Die Kirmes ist wohl der Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben unserer Stadt und sie ist Kernbestandteil des Mühlhäuser Lebensgefühls. Wie sonst ist es zu erklären, dass Mühlhäuser, die das Leben in entferntere Gegenden unseres Landes verschlagen hat, gerade zur Kirmes immer wieder in die alte Heimat kommen?
Ich denke, zwischen uns besteht hierüber Einigkeit: Mühlhausen ohne die Kirmes wäre nicht Mühlhausen. Und die Kirmes, lieber Günter, wäre nicht ganz die Kirmes ohne Dich. Damit will ich keineswegs die Leistung vieler fleißiger Hände und des Geschicks und Engagements all jener, die an der Vorbereitung des Festes beteiligt sind, schmälern.


Ohne die Leistung dieser Aktiven wäre die Mühlhäuser Kirmes gewiss nicht das, was sie heute ist.
Aber die organisatorischen Fäden der Kirmes hältst Du mit großem Erfolg seit vielen Jahren als Vorsitzender des Traditionsvereins Mühlhäuser Heimatfeste in der Hand, als Kirmesoberbürgermeister von Mühlhausen!
Es versteht sich von selbst, dass Du in einer Kirmesgemeinde aufgewachsen bist. Wer Dich näher kennt, weiß, dass hierfür nur eine Kirmesgemeinde in Frage kommt – die Zöllnersgasse! Dort war Dein Vater über viele Jahre Bürgermeister und hat – wie später sein Sohn – ein tüchtiges Stück der Geschichte dieser traditionsreichen Kirmesgemeinde mit geschrieben.
Und schon damals gehörte zu jeder Kirmesgemeinde auch ein Trommler- oder Spielmannszug. Der wurde natürlich auch von einem Würfel geleitet, nämlich zuerst von Günters älterem Bruder Werner, von dem er ihn dann übernahm und den er viele Jahre führte. Zu DDR-Zeiten war dieser Spielmannszug in den Eisenbahner Sportverein Lokomotive integriert.
Bei nationalen Meisterschaften der Spielmannszüge gelang es ihm mehrfach, Medaillen zu gewinnen. Nicht zuletzt deshalb war Mühlhausen zu DDR-Zeiten gewissermaßen die Hauptstadt der Spielleute. Inzwischen den stolzen Namen Spielmannszug der ehemaligen freien Reichstadt Mühlhausen führend, gehört der frühere Lok-Spielmannszug zu den erfolgreichsten Spielmannszügen der Stadt.

Doch nicht nur um seinen eigenen Spielmannszug hast Du Dich gekümmert, sondern auch um die Zusammenarbeit der Mühlhäuser Spielmannszüge. Von der Qualität der dabei geleisteten Arbeit kündet der Umstand, dass Dich die Mühlhäuser Spielmannszüge über Jahrzehnte zum Vorsitzenden ihres Kreisfachausschusses wählten.
Welch andere Stadt in Deutschland hat wohl eine solche Spielmannszugtradition zu bieten?
Durch die enge Verflechtung der Spielmannszüge mit der Mühlhäuser Kirmes gelangtest Du Mitte der 60er Jahre in das Festkomitee Mühlhäuser Heimatfeste.
Dein großes Engagement, Dein organisatorisches Talent, Deine Umsicht und Deine Zuverlässigkeit gaben den Ausschlag, dass Du 1972 erstmalig und bis heute immer wieder zum Vorsitzenden dieses Komitees gewählt wurdest.
Das Festkomitee war innerhalb der DDR-Strukturen ohne Zweifel eine Besonderheit. Es bot interessierten Bürgern außerhalb direkter staatlicher Einmischung die Möglichkeit, die Mühlhäuser Heimatfeste in ihrer althergebrachten Form fortzuführen.
Das Amt des „Oberbürgermeisters“ der heute noch 30 Mühlhäuser Kirmesgemeinden, war und ist kein leichtes.
Es galt, die Tradition der Mühlhäuser Kirmes zu wahren und weiter zu entwickeln, ebenso die des Brunnenfestes. Das hatte es bei den Herrschenden nicht leicht, seine Position gegenüber den seit Ende der 60er Jahre aufkommenden Schulfesten zu behaupten. Und die Mühlhäuser Holzfahrt würde es heute ohne das Festkomitee nicht mehr geben. Zu DDR-Zeiten galt es vor allem ideologische Klippen zu umschiffen. So musste es Anfang der 70er Jahre abgewehrt werden, die Kirmes in „Fest der Lebensfreude“ umzubenennen. Sicher war es auch nicht leicht, die Kirmes durch die gesellschaftlichen Umbrüche von 1989/90 zu führen. Mit all seinen treuen Kirmesfreunden hast Du diese Aufgabe sehr erfolgreich gelöst.
1990 schlossen sich die Kirmesgemeinden zum Traditionsverein Mühlhäuser Heimatfeste zusammen und wählten zu ihrem Vorsitzenden – wie sollte es auch anders sein – Günter Würfel. Diese Funktion übst Du seitdem mit viel Engagement und sicher auch Freude an der Sache aus.

Eine ganz große Leistung des Traditionsvereins ist es, der Kirmes in unserer heutigen vom Kommerz geprägten Gesellschaft ihren Charakter als echtes Straßen- und Nachbarschaftsfest bewahrt zu haben. Nach wie vor bestimmen nicht kommerzielle Unternehmen den Charakter des Volksfestes, sondern die Kirmesgemeinden als nachbarschaftliche Vereinigungen. Die Befürchtung vieler, die Kirmes könne in die Hände eines oder zweier großer Veranstalter fallen, ist zum Glück bis heute nicht Wahrheit geworden.
Ich habe aber noch einen wichtigen Aspekt des Wirkens Günter Würfels zu würdigen: Als Vorsitzender des Traditionsvereins genau wie als Chef des Spielmannszuges der ehemaligen freien Reichsstadt Mühlhausen hat er sich der Pflege unserer Städtepartnerschaften verschrieben. Er hat einen hohen persönlichen Anteil daran, dass sich diese Partnerschaften lebendig und vielgestaltig entwickelt haben. Das wird auch in unseren Partnerstädten so gesehen. Ein Münsteraner sagte mir einmal: „Die Mühlhäuser Kirmes hat für uns ein Gesicht, und das ist das Gesicht von Günter Würfel.“ Dem bleibt nichts hinzuzufügen.
Nachdem die Leistungen unseres Kirmesoberbürgermeisters Günter Würfel anlässlich seines 65. Geburtstages 1999 mit der „Ehrenmedaille für besondere Verdienste um die Stadt Mühlhausen“ gewürdigt wurden, die er übrigens als Erster erhielt, durfte ich ihn anlässlich seines 70. Geburtstages auf Beschluss des Stadtrates zum Ehrenbürger der Stadt Mühlhausen ernennen.

Abschließend möchte ich noch eine persönliche Bemerkung zu unserer Zusammenarbeit machen, die immerhin inzwischen 19 Jahre währt. Diese Zusammenarbeit hat sich vom ersten Tag an sehr konstruktiv gestaltet. Dieses Verhältnis war schon bald von gegenseitigem Vertrauen geprägt. Die Natur der Sache brachte es mit sich, dass wir uns um einzelne Dinge hin und wieder auch streiten mussten. Doch bei diesen mitunter auch in der Sache harten Auseinandersetzungen blieb stets die gegenseitige Achtung gewahrt, wussten wir uns einig in der Verpflichtung, die große Tradition der Mühlhäuser Kirmes fortzuführen. Ganz besonders schätze ich es, dass Du auch trotz des einen oder anderen gesundheitlichen Problems und nach einem schweren Schicksalsschlag all Deine Kräfte weiter für die Arbeit im Traditionsverein einsetzt.

Lieber Günter, da ich um das eine oder andere kleinere oder größere Wehwehchen weiß, das Dich plagt: Für möglichst viele Lebensjahre, die diesen 75 noch folgen sollen, wünsche ich Dir, auch im Namen vieler Bürger unserer Stadt viel Gesundheit, Gesundheit und nochmals Gesundheit!




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