Traditionsverein Mühlhäuser Heimatfeste e.V.


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30. 08. 2010 Großer Umzug zur Stadtkirmes in Mühlhausen

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Der Kirmesumzug zog es heute wieder Zehntausende Mühlhäuser und deren eigens angereisten Gäste an die Strecke. Das Kompliment, einen besonders schönen Umzug gesehen zu haben, war dort und danach in der Stadt nicht zu überhören.
Mühlhausen. Also: So viele und vor allem originell Kostümierte habe sie noch nie gesehen, meinte heute Nachmittag eine Mühlhäuserin nach dem Kirmesumzug. Und es war, weiß Gott, nicht der erste, den sie erlebt habe, fügte sie hinzu. Dieser Ansicht schloss sich der Traditionsverein an, der darauf verzichtete, die schönsten Umzugsbilder zu prämieren. Die Prämie wurde gleichmäßig aufgeteilt. Zu vielen Qualen wollten sich die Herren und Damen des Vereins nicht aussetzen, schließlich gibt es am Kirmessonntag noch andere wichtige Dinge zu erledigen. Zum Beispiel, den Ekel gegenüber dem Alkohol zu überwinden, der sich nach der ersten langen Kirmesnacht eingestellt hatte. Ein Felchtaer klagte jedenfalls darüber sein Leid.

Geholfen hat dem Ärmsten nur ein kräftiger Schluck aus dem Halb-Liter-Glas. Bis Sonntagmorgen um vier feierte die Kirmesbahn-Gemeinde - und war um elf noch warm, sozusagen. Das musste sie auch, in spärlichen griechischen Gewändern und dazu noch barfuß. Dargestellt - man hatte die Diskussionen darüber fast schon vergessen - wurde die finanzielle Hilfe für die Südeuropäer. "Griechenland sagt Danke" hieß das Motto des wie gewohnt aufwendig gestalteten Bildes. Nicht weniger Mühe hatte sich die Gemeinde Feldstraße/Sondershäuser Straße gegeben: 100 Jahre Georgi-Schule wurden dargestellt, mit allem, was zur deren Geschichte gehört.

Auch die Georgi-Pfütze, das hauseigene kleine Becken zum Schwimmenlernen. Belacht wurde das zwar, aber immerhin: Einen solchen Luxus kann sich heute keine Schule mehr leisten. Von der Pfütze war es nicht weit zum Freibad, oder besser: zum Freibad, das nicht geöffnet hat. Die Akteure vom Aktivistenring gründeten vorsorglich den "Trockensportverein Schwanenteich" - und auf dem Würfel der Leute vom "Weg zum Eigenheim" kam das Bad auch vor. Neben Parkhaus, Kletterwand, zänkischen Stadträten, dem fehlenden Schwanz am Löwendenkmal, dem Wagenstedter Knoten und den Hundehaufen.

Wozu die Würfel gut waren? Für ein beliebtes Brettspiel: Mühlhäuser, ärgere dich nicht! Ganz aktuell im Übrigen war die Gemeinde Rimbach: Die kam mit einer Arche Noah, nach den Sintfluten der letzte Tage. Arndtstraße/Professor-Berger-Straße führte die Tiere an der Leine, die mit aufs Boot sollten: Lachaffen und Bordsteinschwalben, Streithammel und Zimtzicken, Partylöwen und Nachteulen. Für die Schafe im Umzug sorgte derweil der Vogteier Platz. Dem Kommentar "Blöde Schafe" von der Seite widersprach die Gemeinde aber ganz engisch. Nein, die beliebte Figur "Shaun, das Schaf" aus dem Kinderfernsehen stelle man dar.
"Sie müssen mal Kika gucken", wurde dem etwas unbedarften Reporter ins Buch diktiert. Die Kinder hätten das Schaf jedenfalls gleich erkannt. "Wegen der verblüffenden Ähnlichkeit", wurde von der Seite wieder gelästert. Begrüßt im Zug wurden erneut die Bad Langensalzaer, am Untermarkt etwas überschwänglich gleich als "Partner- und Schwesterstadt". So viel Brüderlichkeit!
Weil Schwestern alles teilen, hatte sich die obere Weinbergstraße/Graßhoffstraße den Hainich mit Baumkronenpfad vorgenommen, sehr gelungen, muss man sagen. Weil der Hainich eben, wenigstens zur Hälfte, zu Mühlhausen gehört, habe man auch Anspruch auf den Pfad, meinten die Damen. Alles könne sich die sogenannte Partnerstadt eben unter den Nagel reißen, redeten sich die Damen der Truppe in Rage. Und kühlten sich dann mit einem Schluck Rotwein ab. Aus der Schnabelflasche, was die Verluste in engen Grenzen hielt.


Matthias Schenke / 29.08.10 / TA


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