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Pressespiegel > Presse 2009
Der Perfektionist: Ehrenbürger wurde 75
So viele Bürgermeister, wie am Samstagvormittag,. versammeln sich selten in der Mühlhäuser Rathaushalle. Der Oberbürgermeister höchstselbst, an die 30 Kirmesbürgermeister und der Kirmesoberbürgermeister, um den sich letztlich alles drehte. - Günter Würfel, Ehrenbürger der Stadt, feierte seinen 75. Geburtstag. Und viele kamen, um ihn zu gratulieren, zu umarmen, Blumensträuße und Geschenke zu überreichen, ihm zu danken, ja auch, um mit ihm ein kleines Späßchen zu machen.
Von Jürgen WAND MÜHLHAUSEN. Günter Würfel empfing die Worte der Laudatoren in einem historischen Lehnstuhl in der Mitte des vorderen Saalbereichs. Innerlich ergriffen, was man ihm aber kaum ansah. Seine Familie immer in unmittelbarer Reichweite. Dass sich der offizielle Beginn etwas verzögerte, hatte mit dem Defilee der Gratulanten zu tun, von denen der Jubilar die Glückwünsche entgegennahm. "Wir haben uns etwas verspätet, der Günter macht das immer anders", rügte OB Hans-Dieter Dörbaum (pl) schmunzelnd den junggebliebenen 75er. Dörbaum war als erster in die "Bütt" gegangen.Ja, "du bis schon 75 Jahre auf dieser Welt, was zugleich heißt, 75 Jahre in deinem geliebten Mühlhausen; über deine Kindheit und Jugend kann ich nicht viel berichten - wahrscheinlich hast du damals schon die Stadt unsicher gemacht, wie du es bis heute vornehmlich Ende August oder Anfang September tust." Kirmeszeit! So begann der Oberbürgermeister seine Laudatio. Und was wäre wohl Köln ohne den Kölner Karneval, was München ohne sein Oktoberfest. Und Mühlhausen - das ist nicht nur die Marienkirche, der Steinweg, die Stadtmauer oder die Popperöder Quelle. Mühlhausen - das ist für die Bürger auch die Kirmes, der unbestrittene Höhepunkt in der öffentlichen Wahrnehmung und "Kernbestandteil des Mühlhäuser Lebensgefühls". Denn, wie sonst sei es zu erklären, dass Mühlhäuser, die das Leben in entferntere Gegend verschlagen habe, gerade zur Kirmes immer wieder gern in die Heimat kämen? "Mühlhausen ohne die Kirmes wäre nicht Mühlhausen; und die Kirmes, lieber Günter, wäre nicht ganz die Kirmes ohne dich." Damit wollte Dörbaum nicht das Engagement und Geschick vieler in den 30 Kirmesgemeinden schmälern. Doch die organisatorischen Fäden hält der heute 75-Jährige seit vielen Jahren auch als Vorsitzender des Traditionsvereins Mühlhäuser Heimatfeste fest und erfolgreich in der Hand. Und wer weiß das noch, dass Günter Würfel auch an der Entwicklung des Spielleutewesens in der Stadt einen hohen Anteil hat. Selbst einmal einen großen Spielmannszug geführt, war Mühlhausen zu DDR-Zeiten auch dank seines Engagements die Hauptstadt der Spielleute. Durch die enge Verflechtung der Spielmannszüge mit der Kirmes gelangte Würfel Mitte der 60er in das Festkomitee Mühlhäuser Heimatfeste, das er seit 1972 führt. Das Festkomitee war, so der OB, innerhalb der DDR-Strukturen eine Besonderheit. "Es bot den Bürgern außerhalb direkter staatlicher Einmischung die Möglichkeit, die Heimatfeste in ihrer uralten Form fortzuführen.Was ist er denn für ein Mensch, der Günter Würfel?, fragten wir in seinem Umfeld. "Er ist nicht so ein Aalglatter, man kann sich an ihm reiben, zumal er bei aller Liebenswürdigkeit auch kantig sein kann. Ich komme daher gut mit ihm zurecht. Günter hat uns bei unseren Problemen schon oft geholfen - wir feiern die einzige Straßenkirmes." Das alles sagte Siegfried Baumgart, seit 19 Jahren Kirmesbürgermeister der Oberen Grünstraße. Für das Jungmitglied im Traditionsverein, für Glenn Meyer, ist Würfel so etwas wie eine Opa-Figur. Er habe vor ihm großen Respekt. Petra Tietze, Mönchgasse: "Ich bin schon seit 15 Jahren Kirmesbürgermeisterin, und Günter ist einer, mit dem man Pferde stehlen kann." "Er ist ein Perfektionist", meint Gerd Faupel, seit 30 Jahren Kirmesbürgermeister der Oberen Thälmannstraße. "Günter und sein trockener Humor kommen immer an, ohne jemanden zu verletzten. Wir hatten schon viel Spaß mit ihm. In der DDR sollten wir volkseigen werden - das hat er couragiert verhindert." Übrigens: Landrat Harald Zanker (SPD) konnte aus Termingründen nicht am Empfang teilnehmen, das will er diese Woche nachholen. Und der Münsteraner Klaus Meier vom Verein "Freunde Mühlhausens" schickte ein Glückwunschschreiben.
Thüringer Allgemeine Mühlhausen vom 19. Januar 2009 von Jürgen WAND
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