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Pressespiegel > Presse 2007
Kirmes: Vom Hocker gerissen
MÜHLHAUSEN. Johannes Bruns, der Sozialdezernent der Stadt, erlebte am Wochenende zum ersten Mal den Festumzug der Mühlhäuser Kirmes. "Sensationell, toll und klasse. Wie der Karneval am Rhein", schwärmte er gestern. Vielleicht auch, um Punkte beim Festkomitee zu sammeln. Denn das hatte, bei der traditionellen Auswertung des ersten Festwochenendes bei Oberbürgermeister Hans-Dieter Dörbaum, den Dezernenten schon daran erinnert, dass er erst neu in der Stadt ist - und sich deshalb wohl kein richtiges Urteil erlauben könne
Um die deutlichen Worte von Kirmesoberbürgermeister Günter Würfel etwas dezent zu umschreiben. Egal, Bruns wurde anschließend noch auf ein Bier eingeladen. Die Krawatte möge er aber bitte vorher ablegen, empfahl Helmut Mey vom Festkomitee. Ein bisschen Hilfe für die Neu-Mühlhäuser kann nicht schaden. Ansonsten war Würfel keiner anderen Meinung als Bruns, was den Umzug betrifft. Maßstäbe habe der gesetzt und könne "besser kaum sein".
Das habe auch Kirmes-Urgestein Hans Grabe gesagt - leicht verklausuliert. "Die letzte Kirmes soll es gewesen sein", hieß es - weil es eben keine bessere geben könne. Abwarten! Das Niveau spiegelt sich auch darin wider, dass in diesem Jahr statt fünf gleich sieben Umzugsbilder ausgezeichnet wurden. "Ursprünglich waren es drei", erinnerte das Komitee.
Ursprünglich musste wohl der Mühllhäuser Spielmannszug auch mehr Lieder als gestern spielen. "Ihr wollt uns wohl loswerden?", fragte Göran Schug. Der ist nicht nur der Stabführer der Truppe, sondern, laut T-Shirt, auch gleich noch der "Zickenbändiger". Die Kürze des Spiels begründete Dörbaum mit der Sorge um die Musiker. "Schlaft noch eine Runde", empfahl der OB, ganz väterlich.Zufrieden war das Komitee auch mit den anderen Veranstaltungen am Wochenende. Der Kirmesmarkt habe deutlich an Niveau gewonnen und einen starken Besuch gehabt, die Musikschau habe die Besucher quasi vom Hocker gerissen. Die Kritik einiger wegen der versprochenen, aber fehlenden Bühne wies Würfel zurück. "Die Musiker wollten keine, und das mussten wir respektieren." Auch für das Genörgel wegen der Lücken im Umzug hatte er kein Verständnis. Zwei, drei alte Damen seien bei der sonntäglichen Wärme eben aus den Schuhen gefallen und mussten versorgt werden. "Lücken gibt es in jedem Umzug", berichtet der Kirmesoberbürgermeister aus seinem Leben. Als Musiker nehme er an 20 Umzügen im Jahr teil - und bei keinem klappe alles wie vorgesehen. Punkt.
Unzufrieden war Würfel schließlich doch noch: Der Fackelumzug am Sonntagabend sei doch etwas mau gewesen. Aber, das Positive im Blut, folgte eine bemerkenswerte Interpretation: Die Leute hätten sich lieber ihren Platz in den Festzelten gesichert. Weil: In denen war es am Samstag so eng wie noch nie zugegangen. Und, einmal am freien Interpretieren, habe es auch weniger von den tätlichen Auseinandersetzungen, oder besser: Kirmesschlägereien gegeben. "Die Leute hatten keinen Platz zum Ausholen", meinte Helmut Mey trocken. Lediglich zum Heben des Armes habe der gereicht - mit einem Bierglas in der Hand, versteht sich.
Dass alles bisher so toll war, daran habe auch die lokale Presse ihren Anteil. Mit den vielen Berichten habe sie gut auf das Fest eingestimmt, lobte Würfel am Schluss der Runde. Dass sich Zeitung lesen lohnt, war ihm da bewusst geworden. In einem der Beiträge habe er nämlich ein Bild gefunden, dass er schon seit fünf Jahren vermisst. Ausgeschnitten hat er es jetzt wieder. Na, also.
Quelle: Thüringer Allgemeine Mühlhausen vom 28. August von Matthias SCHENKE
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